anna kocht

Samstag. Langeweile. anna war früh aufgestanden. Brav zur Post gegangen. Der Nacken kündigte den ganzen Tag Kopfweh an, doch es kam nie richtig. Sie sah viel fern und räumte etwas auf.

Um sieben entschied sich anna, Abendessen zu kochen. Der Kühlschrank war noch voller Gemüse. Auf Blätterteig, darüber eine Eiersauce, das lag nahe. anna nahm die Kartoffeln aus dem Kühlfach, wo sie in Kürze vor sich hinschimmeln würden. Schnitt den Sack auf und begann die Kartoffeln zu schälen.

Ungefähr nach der Hälfte meldete sich ihr Handy. „Piep, piep“ kündete es ein SMS an. anna stöhnte genervt auf, wusch ihre Hände mit klarem Wasser ab und holte das Handy in die Küche. Depeche Mode weinte einer verpassten Liebe hinterher, und anna las ihre Nachricht: was machst du gerade? stand da. anna lächelte. es ist samstagabend, warum bist du nicht im ausgang? schrieb sie zurück. Thomas würde sie mindestens 5 Minuten auf die Antwort warten lassen, also machte sie sich wieder an die Arbeit. „Piep, piep“. woher willst du wissen, dass ich NICHT im ausgang bin? was machst du gerade?. Die Antwort war einleuchtend. anna gab es auf. ich koche. Keine sehr witzige Antwort, aber es ging hier ja auch nicht um das Erringen des Nobelpreises für Literatur. „Piep, piep“. anna hatte sich in der Zwischenzeit einen Nagel abgerüstet. Auch ein kleines Stück Haut aus dem Zeigefinger. Zum Glück war es nur Haut. kann ich dir dabei helfen?. anna schaute einen Moment gedankenverloren auf den Haufen Kartoffelpellen, der sich schon angesammelt hatte. Eine Kartoffel lag erst halb geschält obenauf. Sie sah sie plötzlich voller Blut. Rotes Blut aus ihrem Finger. Dann wurde das Bild schwarz-weiss. anna räusperte sich und überlegte, was sie als Antwort schreiben sollte. Natürlich konnte ihr Thomas nicht beim Kochen helfen. Wenn er käme, wäre der Kuchen bereits im Ofen. klar :-). Sie würde den Literaturnobelpreis nie erringen. ich bringe den nachtisch mit :-). anna lächelte wieder. Während sie die Kartoffeln weiter schälte und sich verfluchte, einen sack mit klitzekleinen Kartoffeln erwischt und gekauft zu haben, kam ihr plötzlich ein erheitender und schauriger Gedanke. Sie sah Thomas vor sich, wie er einen dieser furchtbaren Männerdessous trug. Mit Tigermuster. anna musste laut lachen.

Thomas kam, und brachte eine Schachtel mit Rumkugeln mit. anna war irritiert. Sie wusste, was Thomas von Rumkugeln hielt. Das gleiche, was sie oft zu hören bekam: „Konditoreiabfälle, wäh, wie kannst du das nur essen?“ anna hatte eine Schwäche für Rumkugeln.

Das Essen verlief schweigsam. Thomas hatte auch eine Flasche Wein mitgebracht, und das dunkle Rot des Weines brach sich wunderschön im Licht der Kerzen. Durch ihren Schein konnte anna Thomas‘ Blicke auf sich fühlen.

Nach dem Essen wechselten sie ins Schlafzimmer. „Zieh dich aus“, forderte Thomas anna mit einem Lächeln auf. Sie tat es. Einen Moment hätte sie fast laut gelacht. Nein, es sollte kein Striptease sein, nur ein erotisches ausziehen. Wie passend, dass just in diesem Moment Phil Collins ‚In the Air tonight‘ anstimmte. Sie wog sich zu der Musik. Knöpfte langsam ihre Bluse auf. Thomas folgte ihren Händen mit seinem Blick.

„Leg dich hin“. anna legte sich aufs Bett. Es war warm und weich, und die Welt drehte ein bisschen um sie her. Thomas holte eine Rumkugel aus der Schachtel. „Jetzt will ich meinen Nachtisch“, murmelte er mit einem Grinsen und bröselte Schockoladenstreusel auf annas Bauch. Die Schokolade glänzte auf der Haut, und schmolz bereits da und dort. Thomas beugte sich über annas Bauch und legte sie auf. Für einen kurzen Augenblick war sie froh, dass ihre Bettwäsche schwarz war. Wenn er aber so weitermachte, würden sie heute Nacht in einem Meer von Schockoladenstreusel schlafen. Diese würden durch ihre Körperwärme schmelzen und sie beide würden morgen wie zwei Schwarze aussehen. anna lächelte. Welch gute Ausrede für eine gemeinsame Dusche. Thomas‘ Zunge wanderte weiter…

16. März 2002

annas Bauch

Ich erkannte annas Gesicht, nicht jedoch ihren Bauch. Er war angeschwollen, unglaublich dick. anna lehnte sich leicht nach hinten und stützte mit den Händen den Rücken. Ihre Lippen umspielte ein Lächeln, als sie meinen fassungslosen Blick sah. „Du, du bist schwanger!“, stiess ich hervor, und gleichzeitig tönten mir alle meine Aengste in den Ohren.

Ich trank einen Cappuccino, anna Tee. Sie hatte nie zuvor Tee getrunken. Ihr sei jedoch seit der dritten Woche dauernd schlecht geworden, wenn sie Kaffee roch, so hatte sie es auch gemerkt, erkärte sie mir. Nun, kurz vor der Niederkunft, konnte sie ihn zwar wieder riechen, jedoch immer noch nicht trinken. Das war die einzige Erklärung, danach sprachen wir wie immer über Gott und die Welt. Als wäre ihr Bauch nicht zwischen uns.

Irgendwann verstummten wir, und ich starrte auf annas Bauch und durch ihn hindurch. Sah mich selbst darin liegen und wünschte mich dahin zurück.

Später hörte ich, dass die Aerzte einen Planeten entbunden hatten. Sie waren verblüfft, als da statt eines nackten Kindes ein kleiner, blauer Planet aus anna herausgedrückt wurde. Der Planet drehte sich einen Moment vor annas lächelndem Blick und entflog dann durch das Fenster, dem Himmel entgegen. Nun stehe ich manchmal da und frage mich, welcher der Sterne da oben annas Welt sein mag. Und ob ich mir selber von dort zuwinke.

In annas Bauch

Schön war uns die Welt
Als wir noch alle Teil von anna
Als wir noch alle in annas Bauch

Nun sehe ich dich schwanger
Und wünsche mich zurück
Wär‘ gerne wieder ein Teil von dir

4. Mai 2002

annas Blut

anna sass mit Freunden im Café. Sie hatte spontan eine ‚Weil-heute-Dienstag-ist‘-Party ausgerufen, und die meisten konnte auch tatsächlich kommen. Es machte allen Spass, an diese Partys zu kommen. Meist traf man sich in einem der Cafés der Stadt. Sie erzählten sich, was sie so machten, lachten und diskutierten.

anna ging kurz raus… wie immer waren ihr die vielen Leute irgendwann zuviel geworden. Die frische Luft war befreiend. Sie ging an ein paar Schaufenstern vorbei. Stellte sich vor, dass sie nur eine Fussgängerin wäre, die nach Hause ging. Schaute einem schönen Mann hinterher. Und ging wieder zurück.

„Du hast uns schon gefehlt“, tönte es ihr entgegen. „Ich weiss“, antwortete anna mit einem frechen Grinsen im Gesicht. „anna?“ anna drehte sich um. Auch wenn es nicht ihr richtiger Name war, sie reagierte auf ihn. Ein junger Mann stand vor ihr. Sah sie an. Er hatte blondes Haar. Ein glattes Gesicht. anna konnte ein Parfum riechen, dass ihr nicht vertraut war. „Ja?“, antwortete sie fragend. „Bist du anna?“, hackte der junge Mann nach. „Kennen wir uns?“, gab anna zurück und runzelte ärgerlich die Stirn. „Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Und ich habe etwas für dich…“, zischte der Mann.

Was dann passierte, wurde anna später erzählt. Sie selbst hatte keine Erinnerung daran. Nur an das Blut… Der junge Mann musst wohl ein Küchenmesser gezückt haben. Eines jener breiten Fleischermesser. Und rammte es ihr in den Bauch.

anna drückte ihre Hände auf ihren Bauch. Sofort fühlten sie sich schmierig an. Irritiert hob sie die hände. Blut, überall Blut… anna kippte nach hinten und der junge Mann drehte sich um und stürmte zur Tür.

Wie aus tausend Kehlen erklang plötzlich ein Befehl: „Bleib steh’n!“ Der junge Mann blieb stehen. Drehte sich langsam wieder um. Blickte mit panikerfüllten auf anna, die wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden wieder aufgestellt wurde. Ihr Blut quoll dunkel aus ihrer Wunde und tropfte auf den Boden. Ihre Jeans waren voller dunkler Flecken. Wie von einer unsichtbaren Kraft wurde der junge Mann zu ihr hingezogen. Wieder stimmten die Kehlen einen Befehl an: „Trink!“, schrien sie. Und der Mann begann zu trinken. Mit gierigen Schlucken saugte er anna das Blut aus dem Körper. Und mit jedem Tropfen wich ihr die Farbe aus dem Gesicht. Die Leute im Café starrten die beiden an, bewegten sich jedoch nicht. Es war, als hätte eine Macht einen Film angehalten.

Als annas Lippen weiss geworden waren, liess sie den Mann gehen. Er stolperte rückwärts weg, starrte sie immer noch voller Entsetzen an. Als er die Tür im Rücken spürte, drehte er sich gehetzt um, riss sie auf und stürmte raus.

Ihm entgegen kam ein Polizist, der nur einen Kaffee trinken gehen wollte. So war er natürlich erstaunt, als ihm ein blutüberströmter junger Mann entgegenfiel, der aussah, als wäre er abgestochen worden.

Der junge Mann erkannte die Uniform, doch es war zu spät. Er prallte gegen den Polizisten. Fiel auf die Knie. Und übergab sich. Kotzte all das Blut wieder raus. Jeder Tropfen, den er anna ausgesaugt hatte wie ein Vampir fiel nun auf das Pflaster. Frauen schrien entsetzt auf, Kinder begannen zu weinen, Männer zu würgen. Das Blut ergoss sich über das Pflaster und färbte den Stein rot.

12. April 2002

annas Gang

Gudrun: althochdeutsch gunt-=Kampf, rúna=Geheimnis

anna lief durch den langen Gang. Die Wände waren hoch, von majestätischen Säulen getragen. Gudrun zog sie immer wieder in einem Raum. „Wow, sieh dir dieses Gemälde an!“, stiess sie hervor und verlor sich in Beschreibung und historischen Exkursen. anna hatte für die Bilder jeweils nur einen kurzen Blick übrig. Schon verfing er sich wieder in der Decke, am Muster des Kachelbodens, an einer Spinnwebe, einem Holzbalken, einem Deckengemälde. Wie in Trance lief sie durch die Hallen. Alles kam ihr vertraut vor. Bevor Gudrun einen Raum betrat, wusste anna schon, wie er aussehen würde. Ihre Absätze klapperten bei jedem Schritt, und das Geräusch wurde von den Wänden in jeden Winkel getragen und kam hundertfach zurück. anna hörte das Flüstern sich verlieren und wollte das Kunstmuseum verlassen. Gudrun war versunken in das Gemälde eines alten Meisters. „Gudrun?“ – „Ja?“ – „Ich warte draussen auf dich“. anna drehte sich um und trat durch die hohe Türöffnung, zurück auf den Gang. „Klack, Klack“, tönte es laut. Gudrun hatte sich umgedreht und sah anna fassungslos nach. „Aber du kannst doch nicht einfach gehen!“ rief sie verblüfft. anna war bereits nicht mehr zu sehen. Auch Gudrun trat über die Schwelle. „Klack, klack, klack“ Mit jedem Schritt fühlte anna sich verfolgt. Sie versuchte Haltung zu bewahren, doch das Klacken dröhnte ihr bedrohlich von überall entgegen. „Wir haben doch noch gar nicht alles gesehen, anna, wir können doch noch nicht gehen!“ rief Gudrun ihr nach, und Echos antworteten hundert Male: „nicht gehen, nicht gehen“

anna blickte nicht zurück. Die Strassen schienen zusammen zu rücken, aus Türen und Fenster schlüpften Menschen, wogen ihr entgegen, hielten sie auf, liessen sie nicht durch. „Wie Ameisen, wie Ameisen!“, dachte anna immer wieder und kämpfte sich voran. Aus den Kanalisationen krochen Kröten und Ratten, der Boden war übersäht von ihnen, die Strassen schwarz von Ameisen und Käfern. Die Luft war erfüllt vom Flügelschlagen tausender Vögel. Sie kreischten und schrieben, pickten nach den Augen der Leute, stürzten sich auf die Käfer, kämpften mit Ratten um tote Hunde. Deren Verwesungsgeruch mischte sich mit dem Gestank von Blut und Tränen.

Dann verschwand der Lärm, und nur eine unheimliche Stille blieb zurück. Die Menschen gingen langsamer, wie in Zeitlupe wichen sie anna nun aus. Nichts roch mehr, und das Licht war heller geworden. Am Horizont verdunkelte sich der Himmel, doch erst als die Dunkelheit die Häuser der Stadt erreichten, konnte anna erkenne, was da war: Gudrun schritt durch die Stadt. Gross wie ein Riese überragte sie die hohen Häuser.

Nur einen Riesenschritt von anna entfernt blieb Gudrun stehen. Sie sah auf anna hinab. „nicht gehen, nicht gehen“, wisperte von irgendwo. Gudrun beugte sich hinunter, über anna. Sah sie mit ihren grossen Augen an. Dann richtete sie sich wieder auf und begann zu lachen. Und ihr Lachen erschütterte die Stadt.

7. April 2002

annas Haus

anna hatte ein kleines Vermögen geerbt. Zumindest sagte sie das so. Das kleine Vermögen musste wohl beträchtlich sein. sie kaufte sich davon ein haus in der altstadt. renovierte und richtete es ein. die fassade liess sie weiss streichen. „Eigentlich hätte ich sie lieber orange gesehen. Orange ist einfach die perfekte Farbe. Und dabei mag ich Orange nicht mal“, erzählte sie und lachte. „Doch zu der roten Schrift passt nun mal weiss besser. Das hätte sonst etwas seltsam ausgesehen.“

Ich stand also vor dem Haus. Den Kopf im Nacken, studierte ich die Schrift. Sie war rot wie frisches Blut. In Lateinisch stand da ein Satz, sich endlos wiederholend. Nur ein Band, gleich unter den Fenstern im ersten Stock. „Dies ist der Ort, den ich gewählt, mir zum Gefängnis.“ annas Blick ging durch mich hindurch. Ihre Gedanken waren anderswo. „Dein Gefängnis?“, fragte ich sie, nachdem ich einige Male tief Luft geholt hatte. Sie sah mich traurig an.

6. Mai 2002

annas Liebhaber

annas Liebhaber küsste sie zum Abschied, und sein Kuss war bedeutungsschwanger, denn er küsste sie nicht auf die Lippen. Er setzte seinen Kuss gezielt an jene Stelle am Hals, auf den Uebergang, wie anna ihn nannte. Dort, wo der Körper sich dem Geist öffnete. Dort, wo die Erde den Himmel traf. anna hatte ihm davon erzählt, in einer Nacht, als der Himmel dunkel war und die Welt wie im Winterschlaf schien, mitten im Sommer, mitten am Tag.

Dann ging annas Liebhaber.

anna sah ihm nach, aus noch träumeschweren Augen. Sie sah sein Haar verschwinden hinter der Tür, sein Hemd, seine Hand. Sein Geruch hing noch in der Luft, vielleicht auch zwischen den Laken oder auf annas Haut. Einen Moment verspürte sie eine Traurigkeit, die sie glauben machte, niemals wieder glücklich werden zu können. Dann war es vorbei, wie ein Windhauch, eine vertraute Erinnerung, ein Todesgruss.

5. Juni 2002

annas Lüge

Der Himmel hörte nirgends mehr auf. anna sass auf einer Bank im Park und starrte in das grüne Gras. Der Sommer hatte sich verspätet, so kam es ihr zumindest vor. Die ersten Versprechen wurden nicht eingehalten, die Temperaturen waren nicht gestiegen, der Frost bedeckte jeden Morgen das Land. Die Sonne schien und liess sich doch nie sehen, versteckte sich Tag für Tag hinter weissem Dunst.

Die Verkäuferin zog die Artikel mit geübter Bewegung über das Checkfeld für den Strichcode. Der Computer liess jedesmal ein bestätigendes Pipen ertönen und listete die Lebensmittel auf. Statt Backpulver stand da Vanillinzucker. Beides kostete gleichviel.

Ich lag in annas Armen. „Erzähl mir eine Lüge“, bat ich sie.

Die Nacht hatte ihr Gesicht bereits bedeckt. Nur das gelbe Licht einer Strassenlampe hier und da. anna ging durch die Strassen und vergass für kurze Zeit ihre Angst. Jeder Schritt wirkte befreit. Bis die Sonne aufging.

„Nein, heute habe ich keine Zeit. Und nein, morgen habe ich auch keine Zeit. Ich habe auch übermorgen keine Zeit, und an dem Tag danach. Niemehr, niemals mehr habe ich Zeit für dich!“

„Mein Leben“, antwortete anna. Sie blickte auf, sah ihm in die Augen. Ihr Blick war durchdrungen von Schmerz und Müdigkeit. Sie wurden weiss und verloren ihre Farbe, und die ganze Welt war nur noch grau.

Dies ist meine Lüge. Ich belüge dich, der du diese Worte liest. Ich belüge dich, die du meine Zeilen überfliegst. Dies sei mein Bekenntnis. Ich leide. Ich leide an dir.

26. April 2002

In annas Armen liegen

„ich moechte in deinen armen liegen“. anna runzelte die Stirn. Wie es ihre Gewohntheit war, hatte sie nochmals kurz die Mails abgerufen, bevor sie die Internetverbindung schliessen würde. Das Email musste in den letzten zwei Minuten geschickt worden sein. Ja, vor einer Minute. anna starrte an die Wand. Was sollte sie darauf antworten? Ihr fiel keine witzige Antwort ein, also schrieb sie, was sie als erstes gedacht hatte: „hä?“

Nervös klickte sie immer wieder auf ‚Senden/Empfangen‘. Da, ein weiteres Mail. „ich moechte so gerne in deinen armen liegen. in annas armen ist die welt nur eine sanfte erinnerung, verklärt in gelbem licht“. anna musste lachen. Dieser Satz hatte sie auf die eine oder andere Weise selbst schon benutzt. Nur waren es nicht ihre Arme. Sie holte tief Luft als sie spürte, wie ihre Brust sich zusammenkrampfte. Ein unerwünschter Gedanke blitzte kurz auf und erlosch wieder.

Es war kitschig. Es war ein Risiko. „dann lass uns die welt vergessen“, schrieb sie zurück. Und ärgerte sich, wie verbraucht es sich las. Als wäre es eine Phrase einer dieser Möchtegern-Dichter.

anna klappte ihr Laptop zu und freute sich auf ihren Besuch.

In annas Armen liegen

In annas Armen
Vergass ich meine Welt
Sie nahm mir meine Sorgen
Meinen Schmerz
Es gab kein Morgen
Kein Gestern
Und kein Gedanke machte Sinn

In annas Armen
Ging der Mond auf
Und jeder blieb in der Dunkelheit für sich

Die Grenzlinie wird schmaler
Der nächste Schritt kann schon mein letzter sein
Ich kann mich nur selber retten
Doch ich sehe im Spiegel kein Gesicht mehr

In annas Armen
starb ich
lange vor meiner Geburt
Liege ich geborgen
Wie in einem Lachen
anna, hole mich wieder zurück!

1. April 2002