Jene Tage (unfinished)

03.07.2007

Als mich an einem Freitagmorgen mitten im Hochsommer beim Blick aus dem Fenster eine glitzernde Schneedecke begrüsste, wusste ich, dies war wieder einer jener Tage.

Meine Nachbarn, die ich bisher alle für Phantome gehalten hatten, drängten sich im Treppenhaus. Frau Gamsel bemerkte wohl meinen verwirrten Blick. Ich war erstaunt, wie alt sie war. Von ihrer Existenz wusste ich nur, weil sie immer den Wasserhahn der Waschmaschine offen liess, wenn sie vor mir Waschtag hatte. Diese kleine, dürre Frau hatte eindeutig nicht die Kraft, den Hahn wieder zu zu schrauben.

Frau Gamsel also klärte mich auf, dass eine Filmgesellschaft unser Wohnquartier in Beschlag genommen hatte. Natürlich waren alle Mieterinnen und Mieter rechtzeitig mittels Handzettel informiert worden. Dumm nur, dass ich vor einigen Wochen meinen Briefkastenschlüssel verlegt hatte, und somit von nichts wusste. Frau Gamsel übernahm gerne die Rolle der Informantin.

Es handelte sich um eine wichtige Hollywood-Produktion, und die Nachbarn versuchten nun, einen Blick auf die berühmten Schauspieler zu erhaschen, die mitspielen sollen. Leider konnte Frau Gamsel sich nicht erinnern, wie die Schauspieler hiessen. Ihr Gedächtnis war auch nicht mehr das jüngste, und diese neumodischen Schauspieler tauchten auf und gleich wieder unter. Früher, da war das noch anders, mit einem Tony Curtis, einem Frank Sinatra oder einem James Dean. Ich verkniff mir, sie darauf hin zu weisen, dass James Dean ja wohl auch “frühzeitig abgetaucht” war.

Auf dem Handzettel waren wir Quartierbewohner gebeten worden, von 8.00 bis 10.00 Uhr unsere Häuser nicht zu verlassen, um ja nicht den teuren Kunstschnee zu zertreten.

[to be continued, wenn mir eine Pointe einfällt :-)]

Für einen Moment ein Gefühl, als…

7. September 2006 – 0:29

Mir war als müsste ich brennen
Und brennen, und brennen
Als tropfte das Leben, wie flüssiges Wachs aus mir

Mir war als müsste ich schreien
Und schreien, und schreien
Als könnte ich mich erst dann nicht mehr selber denken hören

Mir war als müsste ich weinen
Und weinen, und weinen
Als wären meine Tränen nötig, damit die Flüsse fliessen hier

Mir war als müsste ich schreiben
Und schreiben, und schreiben
Als würde mein Wort

nie verblassen

nicht mit der Zeit vergehn

Die langen Nächte

16. März 2006 – 17:02

Die Hände geöffnet
Wie zum Gebet
Ein “Bitte” auf den Lippen
die schon vor Kälte beben
Und zwischen uns die Welt

Was sonst noch interessiert
Hinter den zerbröckelnden Zeilen
Die meiner Kehle entfliehen
Ein letztes Röcheln
auf Papier

Keine Hymnen mehr zu schreiben
Keine Worte mehr
Nur noch die blassen Tage
Und die Nächte
Die langen Nächte

Sicherheitskopie meines Lebens

5. April 2006 – 22:36

An der Decke tanzen die Sterne
Und ich giesse den Rasen auf dem Teppich
Neben dem Kleiderschrank wächst ein neuer Berg
Ein grauer Fluss teilt meine Schenkel
Hochwasser unterm Kühlschrank

Von den Ehemännern, die durch die Tür treten
Haben alle zweisilbige Namen
Die Katze versteckt sich im Büchergestell
Beim Staubwischen wecke ich den Riesen hinterm Sofa

Der Baum in der Badewanne verstopft den Abfluss
Die Steuern wurden im Geschirrspüler erhöht
Deine wilden Küsse
(ach, ich kanns nicht lassen)
häng ich zum trockenen auf dem Balkon auf

Werwolf

18. Juli 2006 – 21:07

Zwischen all den Monden
Ist die Erde in Blut ertrunken
Das Reh bricht durch die Bäume
Und hinter ihm
Der Schlächter
Der Jäger
Der atemlos hetzt

Tanzen die alten Geister
Durch die Knochen
Vor der grossen Eiche
Die sie alle sah
Die Jahre
Und die Opfer

Das Tier in mir
Reisst an meiner Haut
Zwingt Fell
Wo Nacktheit geboren wurde
Das nächtliche Auge
Findet den Tod
Im sterben liegend

Und jede Nacht
Und jede Nacht
Ist nur eine Erinnerung
An wilde Träume
Und den Geruch
Von Wölfen

Und kein Wind mehr

11.11.2006

Entgeht mir zwischen Rosen dein Blick
Hören wir im Birkenhain den Sommer singen
Bettelmönche wandeln über abgeerntete Weizenfelder

Erledigen sich unsere Worte mit der Zeit
Ein Bleistift kratzt über Papier
Hand in Hand einen Hügel erklimmen

Zwischen Seerosen deinen Körper entdecken
Weinen wir stumm keine Tränen
Hören wir auf zu lieben
Und kein Wind mehr
Und kein Hauch


“Und kein Wind mehr, und kein Hauch” stammt aus aus dem Lied “Der Rose Auge glüht” von Endraum.

Spiegelbild

04.01.2008

Ich lebe täglich das Leben einer anderen Frau
Und wenn ich in den Spiegel sehe
Weiss ich nicht, wer das sein soll
Die da meinen Blick erwidert

Ich entschuldige mich immer wieder
Dass ich nicht sein kann wer ich sein möchte
Weil ich nicht weiss
Wer ich eigentlich bin

In mir

16.01.2002

Ich wollte, ich wäre tot
Ich wäre schon lange gestorben
Und du würdest weinen um mich
Ich sehe deine Tränen
Versuche
Hinter deine Maske zu sehen
Hinter deine Masken…

Du bist nur eine Illusion
In mir
Woher kommt dann dieser Schmerz
Ich rufe nach dir
Ich rufe nach dir

“Der Morgen hat alles davongetragen, du hast mich dir aus dem Kopf geschlagen“…

(Zitat aus einem Lied der Band Letzte Instanz)