„ich moechte in deinen armen liegen“. anna runzelte die Stirn. Wie es ihre Gewohntheit war, hatte sie nochmals kurz die Mails abgerufen, bevor sie die Internetverbindung schliessen würde. Das Email musste in den letzten zwei Minuten geschickt worden sein. Ja, vor einer Minute. anna starrte an die Wand. Was sollte sie darauf antworten? Ihr fiel keine witzige Antwort ein, also schrieb sie, was sie als erstes gedacht hatte: „hä?“
Nervös klickte sie immer wieder auf ‚Senden/Empfangen‘. Da, ein weiteres Mail. „ich moechte so gerne in deinen armen liegen. in annas armen ist die welt nur eine sanfte erinnerung, verklärt in gelbem licht“. anna musste lachen. Dieser Satz hatte sie auf die eine oder andere Weise selbst schon benutzt. Nur waren es nicht ihre Arme. Sie holte tief Luft als sie spürte, wie ihre Brust sich zusammenkrampfte. Ein unerwünschter Gedanke blitzte kurz auf und erlosch wieder.
Es war kitschig. Es war ein Risiko. „dann lass uns die welt vergessen“, schrieb sie zurück. Und ärgerte sich, wie verbraucht es sich las. Als wäre es eine Phrase einer dieser Möchtegern-Dichter.
anna klappte ihr Laptop zu und freute sich auf ihren Besuch.
In annas Armen liegen
In annas Armen
Vergass ich meine Welt
Sie nahm mir meine Sorgen
Meinen Schmerz
Es gab kein Morgen
Kein Gestern
Und kein Gedanke machte Sinn
In annas Armen
Ging der Mond auf
Und jeder blieb in der Dunkelheit für sich
Die Grenzlinie wird schmaler
Der nächste Schritt kann schon mein letzter sein
Ich kann mich nur selber retten
Doch ich sehe im Spiegel kein Gesicht mehr
In annas Armen
starb ich
lange vor meiner Geburt
Liege ich geborgen
Wie in einem Lachen
anna, hole mich wieder zurück!
1. April 2002