Missverständnis

„Entschuldige“, sagt mein Herz
Und ich würge blutige Worte
Aus meinem Hals

Schon habe ich deine Augen vergessen
Verschwende keinen Gedanken mehr
Treibe das Leben vor mir her

Vielleicht hast du mehr in meinem Blick gesehen
Als da war
Ein Miss-Verständnis passiert uns allen mal

„Und jetzt geh“, sagt mein Herz
Und ich packe es
Sorgfältig wieder in meine leere Brust

2. Dezember 2001

Verloren

„befreit uns denn niemand, auch nicht durch zauberei?“

Die Blume ist zerfallen
Blütenblätter am Boden
Vergessene Wünsche
Liegen sinnlos im Staub

Wohin ich auch sehe
Blickt mich Traurigkeit an
Und ich ertrage mein Gesicht
Im Spiegel nur

Trage noch deine Züge
Auf der gefurchten Stirn
Trag noch deine Liebe
In meinen erschreckten Augen

Viel zu lange konnte ich keinen Atem holen
Hast mich fast erstickt
Bist in mir gestorben
Hab dich oft vermisst

Die Jugend ist vorbei
Die Rosen lassen ihre Köpfe hängen
Und an den Wänden
Erinnern mich bleiche Bilder an dich

Hätte ich mich selbst verloren
War ja nie ein Teil von mir
Suche immer noch nach dir
Werde nie ganz sein
Ohne dich
Ohne mich
Du, mein früheres Ich

9. November 2001

Versprechen

Schwermut zieht seine Kreise
Schlafend liegt er da
Und trägt den Frieden dieser Welt
In seinen Augen

An seinen Schulterblättern
Zerbricht das Leben
An seinem Rücken
Zerbricht die Welt

Und seine Haut verspricht mir
Das ich nicht hier sein muss
In mir
Für kurze Zeit

Irgendwann und 6. November 2001

Es ist Zeit zu gehen

Und ich sammle meine Schatten ein
Du siehst mich nicht
Siehst nur mein Gesicht
Ich halte die Schatten hinter meinem Rücken versteckt

Die Lippen so süss
Erinnere mich an deine Haut
Sehe mich in deinen Augen lachen
Wende mich weinend ab

Es ist Zeit zu gehen
Weit weg von dir
Du wechselst dein Gesicht
Verstand dich noch nie

Nagle meine Schatten an den Füssen fest
Sie sollen mir nicht mehr entkommen
Ihre langen Finger
Legen sich um meine Kehle

Und ich ringe nach Luft
Schmecke Salz auf meinen Lippen
Ersticke an deinem Kuss

13. Oktober 2001

Hätte ich einen Wunsch frei

Hätte ich einen Wunsch frei

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mein Herz hergeben
Wäre kalt wie Stein

Nichts könnte mich mehr berühren
Unverletzbar
Keine Seele
Sinnloses Leben

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mir einen Tod wünschen
Und ein Leben

Schlaflos jede Nacht
Träume, die niemals wirklich sind
Ich würde rennen
Um die ganze Welt

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde keine Träne mehr vergiessen
Ich würde nur noch lachen

Das Leid dieser Welt tilgen
Und dem Sinnlosen Sinn geben
Das Universum noch mal zusammenpacken
Den Himmel zum Bräutigam nehmen

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich wünschte mir den Wahnsinn
Und nasse Haare

Ich würde tanzen
Und singen, die ganze Nacht
Bis meine Stimme bricht
Würde dir den Wunsch schenken
Was soll ich schon damit?

13. Oktober 2001

Kopfchaos

Wenn sich alles
Im Veitstanz in mir dreht
Jeder Gedanke
Den Kopf für sich beansprucht
Um ein Königreich zu errichten
Möchte ich sie alle auskotzen
Nie mehr Essen
Ihnen keine Nahrung geben

Dann sehe ich eine Blume
Sterben im Schnee
Und lege mich
Geschwächt
Zu ihr

14. Dezember 2001

Es tut nicht weh

Es tut nicht weh
Ich spüre nur einen kurzen Stich
Wenn ich mir das Herz herausreisse

Dann bin ich endlich frei
Wer will schon Glück
Oder erfüllte Wünsche
Danach gibt es nichts mehr zu entdecken

Die Langeweile
Besteht aus erfüllten Hoffnungen
Und jede Hand wird müde
Jedes Wort gleichgültig
Was ist da ein einzelnes Herz

Werde es gut bewahren
Da oben, hinten im Schrank In einer Schachtel
Es soll ja zur Verfügung stehen
Bei Bedarf

Mag nicht mehr leiden
Rot tropft das Blut
Wischt mir alle Tränen fort
Und alle Träume

Ruhe

14. Dezember 2001

Kälte

Es ist Winter
Und der Schnee schmilzt auf meiner Haut
Wie kann das sein
Fühle mich doch so kalt

Breche die letzten Feuer ab
Es ist dunkel in meiner Nacht
Kein Stern zeigt den Weg
Es ist Zeit, zu schlafen

Schmiege mich in die blosse Erde
In mein klammes Grab
Höre keine Engel singen
Hier erreicht mich kein Gedanke

Und ich bin ehrlich
Und es bricht mir das Herz
Was siehst du
Wenn du in meine Augen schaust?

Ich suche noch nach meinem Leben
Und weiss nicht, was das ist
Nichts tut mir leid
Leise ist mein Bedauern

Und ich lache Clownstränen
Erkenne mich selbst
Verstecke mich in der Einsamkeit
Und geniesse jeden Herzschlag

Ich bin durstig
Durstig nach mir selbst
Dein Atem
Längst vergessen auf meiner Haut

Still liege ich
Und horche in meine Ewigkeit
Sie hat mir nichts zu sagen
Stummheit füllte meinen Mund

Das Karusell mit den bunten Pferden
Ist nur noch eine vage Gewissheit
Wie der Sprössling
Unter weissen Decken schläft
Im Winter

Heiterkeit befällt mich
Und sanft entschwebt mein Traum.

14. Dezember 2001

Symmetrie

Und ich löse mich von meinem Leben
Was da war
Ist nicht mehr
Oder spielt zumindest keine Rolle

Die Linien werden strenger
Symmetrie stellt sich ein
Das Leben endet
Linear

Der Anfang kommt zum Ende
Alles geht seinen vorbestimmten Weg
Nun ist alles, wie es sein soll
Doch nichts ist wirklich gut

Die Schnörkel fallen ab
Gefühle im Tiefschlaf
Einfach ist’s, zu sein
Unertraglich ist’s, zu leben

17. Dezember 2001